1. August 1914
Erster Weltkrieg

Ein Beitrag zur Geschichte der St. Sebastianus Schützenbruderschaft Niederembt 1502 e.V. von Franz-Josef Mehlem

Der nachfolgende Bericht ist unseren alten Geschäftsbuch entnommen, welches früher noch Hauptbuch hieß. Der Chronist (Unbekannt) schildert als Zeitzeuge die Ereignisse, wie er sie selbst erlebt hat. Ein zeitgeschichtliches Dokument aus den Jahren 1914-1920.

Hier wird Weltgeschichte, die Geschichte unseres Dorfes und unserer Bruderschaft hautnah erlebbar. Hundert Jahre sind diese Aufzeichnungen nun alt, über fünfhundert Jahre unsere Bruderschaft.

Mögen sich immer wieder Schützenschwestern und Schützenbrüder finden, die anhand von Protokollen und Jahresberichten, Zeitgeschichte und Bruderschaftsgeschichte dokumentieren.

Ebenso ist den Personen zu danken, die diese Aufzeichnungen sorgfältig aufbewahren und an nachfolgende Generationen weitergeben.

Auszug aus der Chronik der St. Sebastianus Schützenbruderschaft Niederembt 1502 e.V. aus den Jahren 1914-1920: Am 1. August 1914 begann für unser Vaterland, besser gesagt für ganz Europa eine schwere Zeit, der Weltkrieg. Vom Mobilmachungstage, 2. August 1914 an, zogen in allen Orten, auch hier die Einberufenen zu den Fahnen ein. Es war fast kein Haus im Dorfe, welches verschont blieb. Aus jeder Familie standen Angehörige im Feld. Die ersten Einwohner aus dem Orte, die den Heldentod starben, waren der Gardegrenadier Adolph Gierling, Sohn von Fritz Gierling und der Reservist Gottfried KolI, Sohn von Peter Koll. Sie ließen in den ersten Tagen des Vormarsches 1914 ihr Leben. Getreu ihrem Fahneneide in gerechter Verteidigung ihrer Heimatorte. Der Krieg verteuerte naturgemäß die Lebensmittel und täglichen Bedarfsartikel sehr. In den Jahren 1914 und 1915 ging es mit der Verpflegung in der Heimat ja noch. In den folgenden Jahren 1916, 1917 und 1918 tritt der Mangel an Lebensmittel, besonders an Brotgetreide und Kartoffeln deutlich in Erscheinung. An der Front sowohl als auch in der Heimat, hier besonders in den Städten, machte sich dies mit jedem Jahr schlimmer bemerkbar. Die minderbemittelte Bevölkerung wird die Kriegserfahrungen ihr Leben lang nicht vergessen. Je länger der Krieg dauerte, desto größer war der Hunger und desto schlimmer das Morden. Die neuzeitlichen Kriegswerkzeuge wie Gasgeschosse, Minen und Flammenwerfer usw. machten den Feldzug zu einer

Menschenvernichtungsmaschine, wie die Welt sie noch nicht erlebt hatte. Mit der Zeit fehlte das Menschenmaterial, es kamen nicht genügend Reserven zur Auffüllung der Regimentsbestände an die Front. Das Material für Geschütze und Munition wurde auch nicht besser, da die Bestände an Messing usw. nicht aufgefüllt werden konnten. Die Widerstandsfähigkeit sowohl an der Front, wie auch in der Heimat waren zermürbend. Dies führte auf die Dauer zum Zusammenbruch. Am 9.11.1918 wurde die Revolution meist von Matrosen und Soldaten in Szene gesetzt, was zum Waffenstillstand führte. Es begann dann anschließend der Abmarsch, der in Feindesland stehenden Truppen in die Heimat.

Eine Unmasse von Gerät, Eisenbahnmaterial, Lebensmittel usw. blieb in den besetzten Gebieten. Gegen den 20. - 23.11.1918 treffen die Fronttruppen in der Heimat ein. Zuerst Truppen der 6. Armee. Von da ab bis Anfang Dezember hatte unser Dorf täglich Einquartierung der heimkehrenden Soldaten.

Am 4.12.1918 zogen die feindlichen Armeen in Deutschland ein. Der Durchzug der ersten Truppen der englischen Armee durch unseren Ort war am 6. Dezember. An diesem Tage musste die Erftlinie vom deutschen Militär überschritten sein. Als erste Besatzung rückten die 5. Garde Dragoner in unser Dorf ein. Als Ablösung für diese Truppen kamen nach ungefähr sechs Monaten, Batterien der Feld Artillerie 245. Diese Batterien wurden dann wieder durch Batterien der Feld Artillerie 50 abgelöst, die bis zum 2.11.1919 blieben. Man muss den Besatzungstruppen nachsagen, dass sie sich wie Soldaten aufgeführt haben. Die größte Anzahl von ihnen bestand aus ordentlichen Leuten.

Von unserem damaligen Pfarrer Nettekoven geboren in Wesseling, und dem Ortsvorsteher Herrn Konrad Schnitzler bzw. dem Gemeinderat, wurde in diesem Jahre eine Gedenktafel für die gefallenen Krieger von Niederembt an dem Missionskreuz, welches in der Mitte des Friedhofes steht angebracht. In der Heimat starb dann noch in Folge der erlittenen Verwundungen der Gefreite Nikolaus Esser. Jeden Sonntag sieht man die Angehörigen dieser gefallenen Helden, sowie auch andere Mitglieder der Gemeinde am Missionskreuz ihr Gebet verrichten. Möge Gott den Gefallenen, die ihr Leben dem Wohle des Vaterlandes zum Schutze der Heimat geopfert haben, die ewige Ruhe verleihen.

Von der Bruderschaft starben im Laufe der Kriegsjahre im Felde und der Heimat 26 Mitglieder, auch der damalige Präsident Herr Heinrich Schiffer. Er starb infolge eines Unfalles am 17. Juni 1916.

Am 13. Januar 1920 entschlief der Ehrenpräsident der Bruderschaft unser Hochwürden Mathias Nettekoven. Er wurde unter zahlreicher Beteiligung der Bevölkerung am 15. Januar 1920 zu Grabe getragen.

Da die Aufzeichnungen aus dem Hauptbuch in Sütterlinschrift niedergeschrieben waren, und ich dieser nicht mächtig bin, gilt mein besonderer Dank Frau Anneliese Schiffer für ihre Hilfe.

Franz-Josef Mehlem

Auzug aus der Festschrift zum Schützenfest 2015 der St. Sebastianus Schützenbruderschaft Niederembt 1502 e.V.